13.07.2012 - Forst, Hornow und Burg

Tagesausflug vom 13.07.2012

 

Kommen Sie mit und lesen Sie den ausführlichen Reisebericht:

 

Auch in diesem Jahr wollten die Senioren des ASB RV Berlin-Süd e. V. den ruhigen Monat Juli 2012 wieder für eine Tagesfahrt mit Helmut nutzen. Man überlegte hin und her und kam zu dem Entschluss diese gewünschte Fahrt an einem Freitag, den 13ten, zu machen. Es wollten 10 fröhliche Senioren starten aber auf dem letzten Drücker musste einer wegen Erkrankung absagen und somit waren es nur noch neun (im ersten Moment hat jeder an die zehn kleinen Negerlein gedacht).

Es wurde alles für ein ausgiebiges Picknick besorgt und vorbereitet und am frühen Freitagmorgen im Fahrzeug verladen. Nun stand dem Ausflug eigentlich nichts mehr im Wege; nur der „Wettergott“; dieser wollte die letzten Tage nicht so wie wir. Wie sagt man so schön: Es gibt kein schlechtes Wetter nur unpassende Kleidung. Da keiner abergläubisch ist starteten wir um 08:00 Uhr mit einem Teil der Gruppe in der Lahnstraße und die restlichen Senioren trafen sich um 08:15 Uhr in der Konraden Straße und fuhren von dort aus los. Alle waren mit passender Kleidung ausgerüstet. Im ASB – Fahrzeug haben nur 8 Personen (einschließlich Fahrer) Platz und so musste ein zweites Auto her. Ein Mitglied der Seniorengruppe stellte seinen PKW zur Verfügung und dadurch wurden schon im Vorfeld die Plätze vergeben und  man hatte nun  zwei Abfahrtstellen.

Es war eine gemütliche Autofahrt in Richtung Lausitz nach Forst zum „Ostdeutschen Rosengarten“; nach ca. 90 - 100 Kilometern hatte das zweite Auto den ASB – Wagen erreicht und nun fuhren wir im Verbund. Auf einem Parkplatz wurde noch eine kleine Rast zum nachträglichen Begrüßen eingelegt und wer wollte konnte Kaffee, Tee oder etwas Kaltes sowie einen Snack aus dem „Imbisswagen“ bekommen.

15 Minuten später ging es weiter und gegen 10:00 Uhr waren wir am Ziel. Nun starteten wir bei noch trockenem Wetter den 1 bis 1,5 stündigen Rundgang durch den wunderschönen Landschaftspark.

 

Der Ostdeutsche Rosengarten in Forst feiert im nächsten Jahr (2013) sein  100jähriges  Bestehen; diese wunderschöne Parkanlage grenzt direkt an Polen und ist bundesweit die zweitälteste Anlage dieser Art. Er ist nicht mit dem „Rosarium“ in Sangershausen zu vergleichen, denn dieses dort ist eine spezielle Rosenanlage.

Forst ist im 19. Jahrhundert zu einer bekannten Tuchmacherstadt im Rahmen der Industrialisierung heran gewachsen und entwickelte sich rasant zum Zentrum der deutschen Tuchproduktion „Manchester des Ostens“ wurde es genannt. Zu dieser Zeit gab es viele Schrebergärten in der Gegend ca. 2200 aber dafür wenig öffentliche Parkanlagen und daraus wurde die Idee eines „Volksparks“ entwickelt.

Blickt man ein wenig tiefer in die Geschichte, so waren es ursprünglich durch Flussbettregulierung  einmal zwei kleine Inseln zwischen Neiße und Mühlgraben; die Reisigwehrinsel und die wesentlich größere Wehrinsel. Ab 1906 wurden Überlegungen angestellt um dieses Gelände der Bevölkerung  als Volkspark zur Verfügung zu stellen. Im Jahre 1912 wurde noch weiteres Pachtland unter dem Grafen Heinrich von Brühl dazu genommen und im Jahr 1913 war das Gelände ca. 14ha groß und es gab die erste Rosen- und Gartenbauausstellung (RUGA) anlässlich des 25-jährigen Krönungsjubiläums Kaiser Wilhelm des II. und gleichzeitig kann man dieses Datum als Geburtsstunde der großen Rosenschauen bezeichnen.  Diese Ausstellung fand damals so viel Anklang, dass die Stadtverordnetenversammlung von Forst im Oktober 1913 beschloss, den Kauf der Anpflanzung (welche bis dahin durch Vereine / Schrebergärtnern finanziert wurde) zu übernehmen. Somit war der Grundstein für die wunderschöne Parkanlage gelegt. Das Engagement der Vereine und Bürger von Forst, welche die Anlage pflegten und immer wieder phantasievoll neue Rosenanpflanzungen und auch jahreszeitlich bedingt andere Blumen setzte, prägte dann im Jahr 1914 den Namen „Ostdeutscher Rosengarten“.  In der Zwischenzeit hat das Gelände eine Größe von ca. 16ha und steht heute unter Denkmalschutz. 

Die Einzigartigkeit dieser historischen Parkanlage an der Neiße liegt in der Vielfältigkeit der Anlage; es gibt ein besonderes Zusammenspiel zwischen den verschiedenen Rosen- und Blumenanpflanzungen, benannt nach Anlässen (z.B. Hochzeits- und Jubiläumsanlage) oder Jahreszeiten.  Außerdem findet man eine Vielfalt an Skulpturen aus den unterschiedlichsten Zeitepochen vor genauso wie eine Anlage mit den „Wasserspielen“ welche man durch Betätigung eines Schalters selbst einschalten kann. Dieser Platz lädt zum Entspannen und Träumen ein.

Man kann hier wirklich Natur beobachten, man sieht zum Beispiel wie genüsslich ein Eichhörnchen seine Nuss knabbert.

Diese Parkanlage macht einen sehr gepflegten Eindruck und wird durch vieles ehrenamtliche Engagement in Stand gehalten. Leider hat in diesem Jahr das Wetter viele Rosen in der Blüte zerschlagen, es gibt weit über 10.000ende Rosen in den Sommermonaten. Für „Fuß lahme Besucher“ stehen viele Parkbänke im Schatten uralter Bäume zum Verweilen und Genießen der wunderschönen Anlage zur Verfügung.

Seit etlichen Jahren wird hier jedes Jahr am letzten Juniwochenende die „Rosenkönigin“ im Rahmen der traditionellen Rosengarten-Festtage gewählt, dieses muss ein interessantes Spektakel sein denn es zieht viele Besucher aus Nah und Fern an.

Man kann sich auch hier im Rosengarten trauen lassen und pflanzt im Anschluss eine Rose zum Zeichen der Liebe.  Dieser Park wurde im Jahr 2009 zum „Schönsten Park Deutschlands“ gekürt. Die letzte große Rosenschau war im Jahr 1938 und soll nun zum 100jährigen Bestehen nach 75 Jahren wieder aufleben.

Nachdem wir einzeln oder in kleinen Gruppen einen  ausführlichen Rundgang mit kleinen Verschnaufpausen gemacht haben, spazierten wir gemeinsam zu den Fahrzeugen wo es einen kleinen portionierten (mit Namen versehenen) Imbiss (hausgemachten Kartoffelsalat mit Bouletten / Würstchen) gab; der Name auf den Portionen hatte einen Hintergrund, man konnte seinen Behälter mit dem Rest für Samstag mit nach Hause nehmen. Das vielgeliebte „Schlabberchen“ von Waltraut durfte auch nicht fehlen (Rote Grütze mit Vanillesauce) und wer wollte bekam auch etwas zu trinken. Nach dieser Stärkung wurde noch einmal die Toilette aufgesucht bevor es weiter nach Hornow ging.

 

Auf der Fahrt dorthin öffnete Petrus mal wieder seine Schleusen für kurze Zeit aber wir saßen ja im Trockenen. Nach knapp 30 Minuten Fahrt im „Schneckentempo“, da wir noch genügend Zeit hatten, kamen wir nun letztendlich bei der viel empfohlenen  „Confiserie Felicitas GmbH“  an. Hierbei handelt es sich um eine Schokoladenmanufaktur im Herzen der Lausitz.

Seit 1992 gibt es diese Manufaktur in der wunderschönen Lausitz. Sie wurde von einem belgischen Ehepaar in einer alten leerstehenden Genossenschaftsküche des idyllischen Dorfes „Hornow“ gegründet.  Das Ehepaar drückte noch einmal die Schulbank in Antwerpen und ließ sich zum „Chocolatier“ ausbilden damit sie sich ihren Traum von dieser Manufaktur verwirklichen konnten. Bis zum heutigen Tag werden nur beste Rohstoffe, z.B. aus Belgien, verwendet.  Zum Anfang gab es die exzellente Schokolade nur im Werksverkauf vor Ort und jetzt in weit über 500 Geschäften in Gesamtdeutschland. Der Betrieb beschäftigt nur Mitarbeiterinnen aus der Region. Man kann einen Blick in die Schauwerkstatt werfen und zusehen wie die Köstlichkeiten entstehen. Es wird hier jeden Tag frisch produziert und der Vielfältigkeit sind keine Grenzen gesetzt und man fertigt sogar Produkte nach Kundenwunsch an.

Für die Seniorengruppe war ein Termin für einen Filmvortrag „Die Schokoladenseite der Lausitz“ organisiert worden und zu diesem Vortrag gab es entweder leckeren warmen Kakao oder wunderbaren Kaffee, zu beidem gab es außerdem eine Verkostung von „Schokoladen – Scherben“.  Nach dieser Stärkung von Köstlichkeiten konnte jeder noch nach Herzenslust und Geldbeutel im Verkaufsraum seine individuellen Einkäufe tätigen.

Damit alle für den Abschluss des Tages genügend Appetit bekommen schlug Georg vor, noch die alte St. Martin Kirche in Hornow zu besichtigen, welches mit einem Fußmarsch von ca. 10 – 15 Minuten (Seniorentempo) verbunden war. Unsere Fahrer fuhren mit dem Auto vor damit wir die Strecke nicht wieder zurück laufen mussten, da  ja Petrus immer gerne für Überraschungen sorgt.

Zuerst stellten wir fest, dass die Kirche verschlossen war und dann schauten wir uns auf dem Heldenfriedhof (Gedenken der gefallenen Soldaten aus dem 1. und 2. Weltkrieg)  um und hatten tatsächlich Glück jemanden zu treffen der uns etwas über die Geschichte der Kirche erzählen konnte.

Hierbei handelt es sich um das alte Gotteshaus aus dem Jahr 1346 wo es erstmals  urkundlich erwähnt wurde und im Jahr ca. 1560 ist es eine ev. Kirche. Zu dieser Zeit muss ebenfalls die heutige gewaltige Eiche gepflanzt worden sein, diese hat einen Stammumfang von ca. 7,5 Metern und ihr Alter wird auf ca. 800 Jahre geschätzt. Im zweiten Weltkrieg wurde das Kirchendach teilweise zerstört und im Laufe der Jahre zerfiel es immer mehr so dass die Kirche 1972 baupolizeilich gesperrt wurde. Nach der Wende wurde diese Kirche gleich restauriert und die Kirchenorgel, welche aus dem Jahr 1876 stammt, erklang nach langer Pause erstmals wieder am 1.Oktober 1995 (Erntedankfest).  Die Akustik  dieser Orgel kommt in dieser  Kirche wunderbar zur Geltung. Ebenso wie die drei Fenster mit den wunderschönen Bildern, welche im Luce-floreo-Verfahren (erblühe durch Licht), einer Säureätztechnik hergestellt wurden. 

Auch der kunstvolle Altar, welcher aus heimischem Kiefernholz geschnitzt war, wurde restauriert und fand zum Ostergottesdienst 1998 wieder seinen alten gewohnten Platz in der Kirche. 

Helmut wollte nicht mit in die Kirche, da er „Jule“ mit hatte, aber die ältere Dorfbewohnerin welche uns die Kirche aufschloss und uns den Einblick in dieses wunderschöne Gebäude ermöglichte, forderte ihn mehrmals auf mit dem Tier hinein zukommen. Somit hat „Jule“ ihren ersten Kirchgang in Hornow erlebt.

Auch das alte Backhaus kann Geschichte erzählen, es ist über 600 Jahre alt und wird zu besonderen Anlässen durch die alten Dorfbewohnerinnen immer wieder in Betrieb genommen. Hier werden dann Brot und Blechkuchen gebacken nach alter Tradition. Dieses Handwerk wird in den Familien von Generation zu Generation immer wieder weiter gegeben. 

Einige Senioren bestiegen auch den Kirchenturm, in welchem sich eine kleine Ausstellung mit alten Gerätschaften aus der Umgegend befindet. Diese Ausstellung war sehr interessant und auch lehrreich es gab uns einen Einblick in das frühere Leben und Arbeiten der Bevölkerung aus dieser Gegend. Die Ausstellungsgegenstände sind alles Spenden aus umliegenden Dörfern.

Zum Schluss waren alle über die Entscheidung, dass die Autos vorfuhren dankbar, denn Petrus öffnete wieder seine Schleusen nachdem wir im Auto saßen.

 

Nun ging es zur dritten und letzten Etappe dieses Ausfluges, nämlich in den Spreewald nach Burg. Auch hier erwartete uns eine Überraschung, insbesondere ein Highlight für Georg, unseren Eisenbahnfreund. Es war eine herrliche Autofahrt, welche sicherlich noch interessanter gewesen wäre, wenn man die gesamte Strecke über die Bundesstraßen / Dörfer gefahren wäre.

Auch im Ort Burg wurde ein kleiner Spaziergang unternommen um sich den richtigen Appetit für das Abendessen zu holen.  Verschiedene Senioren kauften sich noch einige frische Spreewälder Artikel, die dann vor dem Essen noch in den Fahrzeugen verstaut wurden. Nun marschierten wir zu dem Restaurant „  Spreewaldbahnhof Burg“;  hierbei handelt es sich um ein historisches Bahnhofs-gebäude welches seit 1995 als Gaststätte genutzt wird.

Bis 1970 fuhren hier Züge der Spreewälder Schmalspurbahn mit einer Gesamtlänge von 85 Kilometern zwischen Lübben, Goyatz, Lieberose und Cottbus. Es gibt viel historische Gegenstände auf dem gesamten Areal zusehen, angefangen mit den vielen alten Koffern und Reisekisten aus verschiedenen Jahrhunderten sowie alte Waggons und für die kleinen kann man sogar gegen einen kleinen Geldbetrag Schauzüge zum Laufen bringen. Interessant ist auch ein altes Klassenzimmer,  welches in einem alten Waggon aufgebaut war. Überall waren Gegenstände zusehen, die mit Eisenbahn im Zusammenhang stehen und der Clou in der Gaststätte ist, dass alles nur wie im „Zugverkehr“ abläuft. Getränkebestellung per Sammelfahrschein mit Kelle heben – dann kommt die Eisenbahn an den Tisch gefahren und man legt den Fahrschein / Bestellschein in den Güterwaggon. Nun fährt die Eisenbahn wieder zurück zum Lokschuppen / Tresen und die Bestellung wird erledigt. Die Getränke kommen anschließend wieder per Güterzug an den Tisch gefahren, es hupt und man kann seine Bestellung heraus nehmen. Es ist wirklich wahr, dass hier die Eisenbahn an jeden Tisch fährt und sollten die Tische alle ihre Bestellungen haben, so fahren verschiedene restaurierte Eisenbahnwaggons, Draisinen und viele weitere Originalteile der „Bimmel -Guste“ / „Spreewald – Guste“(so wurde die Bahn früher genannt) vorbei. Die Betreiber der Gaststätte haben auch etliche Unikate an Loks und Zügen selbst gebaut.

Selbst auf der Speisekarte findet man Namen aus der Eisenbahngeschichte wieder; hier einige Beispiele:    Schaffner – Vesper;    Eisenbahnerkelle;   Steakteller “Zur scharfen Schaffnerin“;  und so weiter. Bestellen Kinder ein Eis; so wird alles dunkel gemacht und der Zug kommt mit Musik und entzündeter Wunderkerze.

Natürlich fühlten wir uns alle gleich heimisch, als wir an einem alten Balken ein sehr altes Schild vom ASB „Unfallhilfsstelle“ entdeckten. Unsere „Uralt – Samariter“ bestaunten dieses und hätten sicherlich es am liebsten mitgenommen aber zu fragen traute sich keiner bzw. wollte es sicherlich auch keiner denn es gehört zur Historie der Gaststätte. Natürlich mussten wir es wenigstens fotografieren um dieses seltene Exemplar festzuhalten. 

Nach rund 1,5 Stunden genießen und entspannen wurde die Rückfahrt angetreten und gegen 20:00 Uhr wurde der erste Haltepunkt (Konraden Str.) angesteuert; hier stieg ein Teil der Gruppe aus. Man verabschiedete sich nach einem wunderschönen Tag mit viel interessanten Eindrücken und mancher nahm auch diesen Ausflug als Anregung für private Fahrten. Bevor man sich trennte wurden noch die restlichen Speisen und die Mitbringsel an die einzelnen Senioren verteilt.

Gabi und Jule stiegen jetzt in den MTW um und fuhren mit zur Garage; hier wurden die letzten Senioren verabschiedet und wir stellten den Wagen, nach dem Entladen der mitgenommenen Lebensmittel,  wieder ordnungsgemäß in die Garage. Für uns war nun ein langer aber zufriedenstellender Tag gegen 21:00 Uhr zu Ende.

Wir sind jederzeit wieder bereit so einen Tagesausflug zu organisieren und durch zuführen. In diesem Alter der Senioren glauben wir bringen Tagesausflüge mehr als längere Reisen. Man kann sich seine Kräfte besser einteilen. Die Verfassung der einzelnen Senioren ist auch Tages- und Wetterabhängig.

 

Am nächsten Tag riefen einige Senioren bei Helmut an und bedankten sich für den wunderbaren Tag mit den vielen Eindrücken, die Sie erst im Nachhinein verarbeitet haben.